09.05.2018 08:39

Studientag der Berufsbildenden Schule in Metz


Im Mittelpunkt des Studientages der BBS am 18.4.2018 standen Themen der europäischen Begegnungen –Begegnungen mit Kulturlandschaften, Geschichte, Persönlichkeiten, Institutionen.

Als Standort dazu wurde die europäische Metropolregion Metz ausgewählt, die über Jahrhunderte im Fadenkreuz der Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich lag.

Ein Rundgang durch die Stadt zusammen mit Mitarbeiterinnen des Office de Tourisme hatte daher folgerichtig auch die beiden im Stadtbild dokumentierten historischen Foki zum Ziel: Die königliche (französische) Altstadt um die Kathedrale, das Theater und die ehemalige Zitadelle sowie die kaiserliche (preußisch-deutsche) Neustadt von 1870-1918 um den Bahnhof. Die unterschiedlichen Epochen zeigen sich nicht nur in der Architektur und in der Struktur/Grund- und Aufriss der Stadtviertel, sondern gehen bis hin zu den Baumaterialien der Häuser –hier gelber (Altstadt), dort grauer Sandstein (Neustadt). Die Teilnehmenden der Stadtexkursion erfuhren daneben eine Reihe von Details, u.a. zu dem kunsthistorisch wertvollen, da einmaligen Aufbau („zwei Kirchen in einer“) und den Ausstattungen (z.B. Chagall-Fenster) der Kathedrale, zu den gallorömischen und merowingischen Wurzeln der Stadt, ihre Blüte als freie Reichsstadt in der Zeit der Einbettung in das „Heilige Römische Reich“ des Mittelalters und der frühen Neuzeit –mit wichtigen Handelsbeziehungen und der Ansiedlung von Kaufleuten aus ganz Europa, z.B. von Lombarden aus Oberitalien, die die heute noch gut erhaltenen Häuser mit Laubengängen (z.B. an der Place St. Louis) gemäß den Vorbildern in ihrer oberitalienischen Heimat in Metz errichten ließen.  Unsere Aufmerksamkeit wurde schließlich auf das städtebaulich bedeutende Phänomen der „Gentrifizierung“ in der Neustadt (am Bahnhof) gelenkt, die neben einer gelungenen Stadterneuerung allerdings auch eine soziale Differenzierung mit sich gebracht hat bzw. bringt –eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren in nahezu allen Großstädten der westlichen Welt beobachten lässt.

Den Nachmittag verbrachte die Gruppe in Scy-Chazelles (Centre Européen Robert Schuman, CERS), einem westlich der Mosel gelegenen, ländlich geprägten Vorort von Metz, in dem sich Robert Schuman, der große Vordenker der modernen europäischen Idee, kurz vor dem 2. Weltkrieg in einem schlichten Bürgerhaus (mit großem Garten und wunderschönem Blick über Metz und das Moseltal) niedergelassen hatte; hier verstarb er 1963. 

Geboren im luxemburgischen Clausen mit einer luxemburgischen Mutter und einem lothringischen Vater aus dem damaligen preußisch-deutschen  „Reichsland Elsass-Lothringen“ trug er wie sein Vater bis 1918 die deutsche Staatsbürgerschaft und wurde in deutschen Schulen und Universitäten ausgebildet; danach ließ er sich als Rechtsanwalt in Metz nieder. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er französischer Staatsangehöriger und infolge seines politischen und sozialen Wirkens und Engagements in seiner Heimatregion sehr bald zu deren Vertreter und Fürsprecher in Paris. Während der Zeit der (nazi-)deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten von der Gestapo verhaftet und in Neustadt/Weinstraße interniert; allerdings gelang ihm 1942 die Flucht von dort nach Südfrankreich, wo er sich bis zum Kriegsende in einem Kloster verstecken konnte. Nach dem Krieg verwandte er –in verschiedenen Regierungspositionen in Paris- seine ganze Energie auf die Zusammenführung der über Jahrhunderte verfeindeten Nachbarn Deutschland und Frankreich. Mit großer Überzeugungskraft und Ausdauer gelang es ihm als französischer Außenminister schließlich gegen viele nationale Widerstände (v.a. in Frankreich) im sog. „Schuman-Plan“  vom 9. Mai 1950 die Montanverträge von 1951 vorzubereiten, die dann schließlich zum Abschluss der  Montanunion von Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden führten –der Keimzeille der heutigen EU. Wie sehr er sich dabei mit den Details des Bergbaues und der Montanwirtschaft beschäftigte, zeigt u.a. eine noch heute auf seinem Schreibtisch liegende Publikation über „500 Millionen Jahre Geologische Geschichte des Saarlandes“ .

An eine Informations- und Diskussionsrunde im Konferenzzentrum schloss sich ein Rundgang durch das Schuman-Haus an, das den Kolleginnen und Kollegen nicht zuletzt auch wegen der Schlichtheit einen eindrucksvollen Einblick in das bescheidene, von Bildung und christlichem Bewusstsein geprägte Privatleben dieses großen Europäers gibt; ein Zeugnis davon liefern die zahlreichen literarischen Werke (die meisten in französischer und deutscher Sprache), von denen noch etwa ein Drittel infolge der Kriegseinwirkungen nicht an ihrem angestammten Platz in Scy-Chazelles stehen. Die Grablege von Robert Schuman befindet sich in einer kleinen Kapelle/Kirche in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Wohnhauses; an deren Ostseite stehen in Bronze gegossen die großen Persönlichkeiten der Montanunion, u.a. Robert Schuman (Photo: 2. von links) und Konrad Adenauer (Photo: ganz rechts), der damalige deutsche Bundeskanzler.  

Unser Lehrerkollegium vor dem Denkmal der Gründer der Montanunion