01.10.2018 11:18

Besuch des KZ Hinzert durch den Ausbildungsgang Fachinformatik


Ein Bericht unseres Fachinformatik-Ausbilders Ralf Justinger

Am Freitag, 07.09.2018 besuchte uns Herr Georg Mertes, Bildungsreferent des  Fördervereins Gedenkstätte KZ-Hinzert e.V., in Bitburg um die Teilnehmenden des Ausbildungsgangs Fachinformatik auf ihren Besuch der Gedenkstätte eine Woche später vorzubereiten. Zunächst berichtete Herr Mertes von der politischen Lage in der Vorkriegszeit, wie Adolf Hitler an die Macht kam, was zur Errichtung der Konzentrations- und Vernichtungslager führte und wie weit diese schließlich nicht nur in Deutschland verbreitet waren. Außerdem erzählte er unverblümt wie es in den KZs zuging und unter welchen Umständen die Menschen dort „leben“ und arbeiten mussten. Zwischendrin beantwortete Herr Mertes immer wieder Fragen der interessierten Teilnehmenden.

Da man von dem ursprünglichen KZ-Hinzert heute nichts mehr sieht - das Lager wurde von den Franzosen aufgelöst und das gepachtete Gelände an die Besitzer zurückgegeben - verteilte Herr Mertes anschließend einige Fotos, die von den Amerikanern kurz nach der Befreiung Deutschlands vom Lager gemacht wurden. Die Teilnehmenden sollten in Gruppenarbeit die Fotos „kalt“ beschreiben und ihnen einen Titel geben.

Am 14.9.2018 begaben sich 25 Teilnehmende in Begleitung von zwei Ausbildern, zwei Berufsschullehrern und einem Mitarbeiter der psychosozialen Förderung mit dem Bus auf den Weg nach Hinzert. Nach einer Begrüßung durch Herrn Mertes im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte, bekamen die Teilnehmenden wieder die Fotos ausgeteilt und sollten nun anhand von Luftaufnahmen – früheren wie heutigen – und Lageplanskizzen herausfinden, von wo aus die Fotos gemacht worden waren und was man darauf genau sehen konnte. Anschließend ging es nach draußen an genau die Stellen, wo damals die Fotografen standen. Und so entstand dort, wo heute nur noch Wiesen, Felder und Bäume zu sehen sind, vor dem geistigen Auge ein Bild des damaligen KZs. Vorbei an der 1948 eingeweihten Friedhofskapelle, über den heutigen Ehrenfriedhof mit dem zentralen Mahnmal des ehemaligen luxemburgischen Häftlings Lucien Wercollier, ging es anschließend wieder zum Dokumentationszentrum. In der Dauerausstellung konnten sich die Teilnehmenden zunächst umschauen und dann gezielt Themen auswählen, zu denen sie mehr erfahren wollten. Herr Mertes ging dabei auf jede Frage ein. Da er sich seit rund 35 Jahren mit der Thematik befasst und in seiner Tätigkeit beim Förderverein viele ehemalige Gefangene des KZs und deren Angehörige persönlich kennengelernt hat, waren seine Berichte sehr detailliert und lebendig, und es schwangen stets mahnende Töne mit.

Nach einer kurzen Mittagspause begab sich die Gruppe in den nahegelegenen Wald an die Stelle, an der in der ersten Septemberwoche 1942 insgesamt 20 Personen, die als Hauptbeschuldigte am Luxemburger Generalstreik verurteilt worden waren, hingerichtet und verscharrt worden waren. Heute befinden sich an dieser „Stätte der Unmenschlichkeit“ ein Gedenkstein und ca. 50 m weiter, am damaligen Massengrab, eine Gedenkstätte.

Mit sehr bewegenden Worten erzählte Georg Mertes auch von dem schlimmen Erlebnis eines kleinen Mädchens aus Luxemburg, das am Tag der Erschießung über die landesweit ausgehängten, auf rotem Papier gedruckten, Plakate vom Tod seines Vaters erfahren musste. Dieses Schicksal stimmte die Teilnehmenden umso nachdenklicher.

Nach ca. 5 Stunden ging es wieder zurück nach Bitburg. Insgesamt hat der Besuch der Gedenkstätte einen tiefen Eindruck bei Teilnehmenden wie Begleitpersonen hinterlassen; das Entsetzen darüber, was Menschen anderen Menschen antun können, die Frage, wie es soweit kommen konnte, und vor allem die Überzeugung, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Unser größter Dank gilt Herrn Georg Mertes, der uns mit viel Fachwissen und seiner sehr freundlichen und direkten Art einen Teil unserer Geschichte nahe gebracht hat, für den die heutigen Generationen keine Verantwortung mehr tragen, den wir aber nie vergessen dürfen.

Fotos von der Gedenkstätte KZ Hinzert

(Fotos von Ralf Justinger)